Hettstedt, Markt

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Hettstedt, Markt, Ansicht, Verlag v. Karl Schneider, Hettstedt, etwa 1905

Auf einer kolorierten Handzeichnung vom Markt in Hettstedt mit einem Triebwagen der Kleinbahn und einem Ehepaar ist folgender netter Text in Mansfelder Mundart zu lesen (Verlag v. Karl Schneider, Hettstedt):

Nä Gottlieb! su was läbet niche,
Wie gieht dänn nur das Ding?
Jä Rieke! Su bist auch schwer von
Begriffe, das ist dach siehre einfach,
su ä Wagen kreit allemal ä festen,
Schub bis an die nächste Ecke un,
oben mit der Stange
lenkt der Kerl

Helbra, die vertauschten Körbe

"In große Verlegenheit wurde gestern abend eine Frau L. von hier gebradht, die in Eisleben Waren eingekauft hatte und hier angefommen die Wahrnehmung machen mußte, daß ihr auf dem Vorderperron der Elektrischen Bahn untergebrachter Korb auf der fahrt von Eisleben nach hier mit einem anderen, dessen Inhalt geringeren wert barg, vertauscht war. Daa Fahrpersonal erinnerte sich, in Creisfeld einer ausgestiegenen Frau einen Korb, wahrscheinlidh der ver- kehrten gegeben zu haben, konnte aber auch nichts weiter angeben. Frau L. kam aber noch am Abend wieder in den Besitz ihres Eigentums. Die in Creisfeld oder Hergis- dorf ausgestiegene Frau war aus Helbra, sie merkte bald den Irrtum und stellte hier Nachforschungen an, die dann zum Austausch der Körbe führten." [Z05]

Wimmelburg, Abzweig Hauptstraße von der B 80

An dieser Stelle musste die Kleinbahn die abzweigende Hauptstraße, welche in Richtung Grunddörfer/Helbra führt, queren. Hier sollen sich an der Kleinbahntrasse Glocken zur Warnung des Straßenverkehrs (zur Kleinbahnzeit vor allem Pferdefuhrwerke) befunden haben, welche der Schaffner vor der Überfahrt läuten musste. Unter der Dorfjugend soll das kurzzeitige Entfernen dieser Glocken als Mutprobe beliebt gewesen sein. Natürlich sich nicht dabei erwischen zu lassen.

Eisleben, Plan

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Eisleben, Plan, Eröffnung der Kleinbahn, Verlag von Franz Stove, 1905

Auf einer kolorierten Handzeichnung vom Eislebener Plan mit einem Triebwagen der Kleinbahn und einem Ehepaar ist folgender netter Text in Mansfelder Mundart zu lesen (Verlag von Franz Stove):

Gucke Ohler! Wie das Ding
nur gieht, da sinn doch keine
Pfärde dran, das ist reine Häxerei.
Dussel! Siehste nich uffen Dache
die Stange, da dreckt einer
ärgend wo.

Eisleben, Gasthof "Zur Wartburg"

Bauherr und Eigentümer dieses Gasthofes war der Gastwirt Schade. Es wird berichtet, dass er den Namen Wartburg nur gewählt habe, weil er auf die Konzession zum Betreiben des Gasthofes sehr lange warten musste. Der Name hat demnach nichts mit der "Wartburg" bei Eisenach zu tun, sondern war wohl ein Spott auf die Arbeitsweise der Eisleber Stadtverwaltung.

Helfta, "Ziegers Gasthof"

"Als die gelben und grünen Wagen der «Elektrischen» noch durch die Eisleber Straßen zuckelten - ein Stück Vergangenheit wird lebendig.
'Wenn ihr in dieser Woche recht schön artig seid, dann fahren wir am Sonntag mit der Elektrischen nach Helfta zur Oma' sagte einst eine Mutti und strich ihre Jüngsten zärtlich über die blonden Haarschöpfe. Das Zauberwort «Elektrische» und der damit verbundene Besuch von Zieglers handbetriebenen Kinderkarussell lösten hellen Jubel bei den Kleinen aus. Denn zu dieser Märchenwelt gehörte noch die große goldene Automaten-Henne im Gasthausgarten, die nach Einwurf eines Groschens laut gackernd ein schokoladengefülltes bundbemahltes Blechei legte." [Z03]

Anmerkung des Verfassers: Für den Standort von "Ziegers Gasthof", auch "Gasthof Helfta" bzw. "Fruchtweinschenke" geben die Quellen zwei unterschiedliche Orte an. Einmal direkt südöstlich neben der ehemaligen Grundschule in der Hauptstraße. Die zweite Örtlichkeit ist die Hauptstraße Ecke Federmarkt, entweder auf dem Industriegebiet Federmarkt oder auf dem heutigen Feuchtgebiet. Das zweigeschossige Haus an letzterer Stelle wurde in den 50er Jahren noch als Landwarenhaus genutzt. Hier war in den 70er Jahren das Zentrum des Senkungskessels Helfta. Auf beiden Örtlichkeiten befinden sich heute keine Gebäude mehr.

Wie jieht`n das mand?

"Die Mihme Schwunkchen unn de Raenzel,
die junken ämol in de Schtadt.
Jerade wie de Eläkersche
dän Baerk innehuch gerattert hat.
'Jefattern', sahte da de Schwunkchen,
'wäßt dusen, ich kann's nich varschtihn,
wie das su uhne Fährd unn Feier
unn uhne Damb kann weiderjiehn?'
Wie nu de Raenzeln sich besunne,
da kamb de Mihme Schlauen ahn.
Die wusste alle Neiigkäten,
drum taten se die darum frahn.
Die sahte: 'Hatten an de Schtange
un an dänn Droht da nich jedacht?'
Där is dach nich far Langeweile
da uwen uffen Dach jebracht.
In Hettschtedt uffen Sähertorme
unn denn in Hälfte stieht ä Mann,
die trecken an dänn Drohte drahne
unn furt jieht's, waß es rattern kann'.
'Jefattern', sahte druff de Räenzeln,
'wu bleiwet ähn nurt där Varschtand?
Mar hat de Lesung klor far Auchen
unn fraht denn nach, wie jieht'n das mand'." [P02]

De Eläktrische

"Um de Jahrhunnertwenge, als noche de Schtrahßenbahn von Eislemm ewwer de Jrunddärfer bis nach Hettschtedt fuher, jabbs moal follichende Bejähbenhaet: Als sich de Bahn in Marchtsbärgk hohchkwähelte, um denn ewwer de Sangerheiser Schrahße in dähn Braeten Wägk einzebiehchen, fuher de janze Schtrecke langk dor Bauer Schuhbert met sein Ochsenwaahchen vorr dor Bahn häher, awwer metten uffen Schiehn langk. Weiel nuhn dor Bahnschaffner nich an dähn Ochsenwaahchen vorbei kunne, bimmelte met seiner Schtrahßenbahnbimmel wie ä Närrscher. Das rieherte dähn Bauer ewwerhaapt niche, dähr sahß kwiehtschvarjniehcht in seiner Schoßkelle un paffte in aller Ruhe seine Feife. Das Jebimmele hinger ihm ewwerhehrte ähr absichtlich. Erscht nach ehwich langker Zeit bekwähmte ähr sich de Ochsen von de Jleise runger zu lenken, daß nuhne endlich de Bahn vorbei kunne. Dor wiehtende Schaffner drohten im Vorbeifahern met der Faust un brillte: 'Kannstn du Dähmel nich vorbeifahern? Du Rindvieh, du Ochse dähmlicher?' Der Bauer Schubbert nahm jemiehtlich seine Feife aus dor Kusche un roffe hingerhäher: 'Jo, ich schohn, ich kann vorbeifahren, awwer du Simpel niche! Ich kann meine Ochsen jederzeit von de Schiehn rungerlenken, awwer du kläwest je met deiner Scheißbahn ehwich uffen Schiehn un mußt immer druffen bleim, du Arschloch!'" [P03]



Quellen:
[F01]: Zentrale: Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Bergrevier, Dienst-Vorschriften für das Fahrpersonal, Klostermansfeld, ca. 1900.  in: FW
[F02]: Liebmann, A.: Die Klein- und Straßenbahnen (Bde. Reihe: Aus Natur und Geisteswelt, Band 322), Berlin: Teubner-Verlag, 1910.  in: G
[F03]: Zeddel, M., & Dr. Knitzschke, G. (2000). Die Elektrische Kleinbahn im Mansfelder Land.  in: OU
[F04]: Wäsche, T.: Die Wasserversorgung der Stadt Eisleben, Eisleben: Selbstverlag, 2011.  in: U
[K01]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 08.01.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K02]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.08.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K03]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 13.07.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K04]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 17.01.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K05]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 25.01.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K06]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.04.2014, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K07]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 19.02.2014, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K08]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 22.03.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K09]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 23.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K10]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K11]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K12]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 21.12.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K13]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.03.2010, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K14]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 29.06.2006, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K15]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 06.02.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K16]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 18.01.2006, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K17]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.10.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K18]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 22.05.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: G
[K19]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 14.10.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K20]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 04.04.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K21]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.05.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K22]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 19.05.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K23]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 08.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K24]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 15.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K25]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.06.2011, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K26]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 03.08.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K27]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 01.08.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K28]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 27.06.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K29]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 11.09.2013, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[K30]: Kalenderblätter, in: Mitteldeutsche Zeitung vom 13.09.2012, Regionalausgabe Eisleben.  in: U
[Z01]: Hettstedter Zeitung vom 31.06.1909.  in: AU
[Z02]: Liberal-Demokratische Zeitung vom 26.03.1983.  in: AU
[Z03]: Eisleber Zeitung vom 03./04.03.1945.  in: G
[Z04]: Eisleber Zeitung vom 14.05.1900.  in: G
[Z05]: Eisleber Tageblatt vom September 1910.  in: G
[Z06]: Amtsblatt des Mansfelder Seekreises Jahrgang 1908, 09.03.1908  in: U
[P01]: nach Helmut Tönau.  in: A
[P02]: Mundartdichter Franz Kolditz (*11.09.1873, †13.05.1947)  in: G
[P03]: Mundartdichter Kurt Zeising (*16.02.1921, †30.03.2008)  in: G